Offline-Sucht

Wer nicht mehr ohne Spazierengehen, Einkaufen oder persönliche Gespräche auskommt, ist vielleicht süchtig – offline-süchtig.

Daß Alkoholsucht eine Krankheit ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Daß man aber auch offline-süchtig werden kann, wurde bisher immer nur belächelt. Doch karl valentin online hat dieses Thema untersucht und ist auf erschauerliche Tatsachen gestoßen.

Der weltweit annerkannte Professor kennt die Symptome der offline-Sucht: „Die Süchtigen haben oft das Bedürfnis, den Computer auszuschalten – manche gehen sogar soweit, daß sie sämtliche Modem-, Telefon- und Netzwerkkabel zerstören. Man flüchtet sich vor Problemen aus dem Netz, vernachlässigt Mailinglisten, Newgroups und versäumt vereinbarte Chat-Termine. Auffälligstes Merkmal ist aufsteigender Euphorismus bei dem Trennen sämtlicher Verbindung zum Internet und beim Abschalten des Computers.“

Psychologen gehen davon aus, daß es wie ein Zwang ist, der immer zunimmt. Einige gehen sogar soweit, davor zu warnen, daß die reale Welt in schlimmen Fällen zu einer Art Pseudo – Lebenswelt verkommt. Die reale Welt als Fluchtpunkt? Flirten statt chatten? Ausgehen statt surfen?

Zum Pathological Offline Living (POL, offizielle Bezeichnung der offline-Sucht) kann es schneller kommen, als es einem lieb ist. Keine Angst haben müssen Sie, wenn Sie außerhalb des Internets nur arbeiten, notwendigste Einkäufe erledigen oder Geschäftsessen wahrnehmen. Wenn Sie es jedoch zu speziell zu Shopping, Disco, Kino, Kneipe, etc. hinzieht, sind Sie potentiell gefährdet. Ein Großteil der Suchtkranken verbringt so seine Zeit.

Wo aber liegt die Faszination an POL? Es scheint die Lust am Körper zu sein: Im richtigen Leben sieht keiner aus wie der andere und man definiert sich nicht nur durch innere, sondern auch durch äußere Werte. In der realen Welt sehen sich viele nicht der Belastung ausgesetzt, sich kompetent, wichtig und produktiv fühlen zu müssen.

POL bleibt – wie jede Sucht – nicht ohne Folgen, die sehr bedenklich sind: Kommunikationsdefizit, Realitätsverlust, Scheitern von Beziehungen, soziale Isolation, ständige Verzögerung bei der Beantwortung von eMails und Verpassen von Chats.

Um festzustellen, ob man offline-süchtig ist, sind hier einige Kennzeichen aufgelistet:

  • Sie bemerken, daß Sie stundenlang spazierengingen, obwohl Sie nur mal zum Bäcker wollten.
  • Sie überlegen ständig, mit welcher Entschuldigung Sie sich demnächst aus dem Netz stehlen können.
  • Sie sind stolz auf Ihren Körper und es macht Sie an, daß es nicht nur perfekte Menschen gibt.
  • Sie vernachlässigen sämtliche elektronische Kommunikation und bevorzugen persönliche Gespräche.
  • Sie fühlen sich schuldig, zu lange offline gewesen zu sein. Allerdings bereitet es Ihnen ein Glücksgefühl.
  • Sie beginnen zu zittern, wenn ein Computer in Ihrer Reichweite ist.

Wenn Sie das Gefühl haben, selbst offline-süchtig zu sein, dann hilft Ihnen möglicherweise dieses:

  • Setzen Sie sich feste Grenzen, was die Verweilzeiten außerhalb des Netzes angeht und halten Sie diese unter allen Umständen ein.
  • Legen Sie vor dem offline-Gehen fest, was Sie damit erreichen wollen und gehen Sie sofort wieder online, nachdem Sie Ihre Ziele erreicht haben.
  • Erlauben Sie sich das offline-Gehen als Belohung für eine lästige, tägliche Aufgabe, z. B. Erst eMails lesen und beantworten und erst dann etwas essen.

Wenn das alles nicht hilft, dann lassen Sie sich von einem Psychologen beraten.