Beobachtungen im Möbelhaus

Man hört in letzter Zeit immer wieder von entsetzlichen Geschehnissen in Möbelhäusern. Dieser Sache ist karl valentin online auf den Grund gegangen:

Ich besuchte eine Filiale, die zu der Möbelhauskette des schwedischen Gegenwartsphilosophen IKEA gehört. Als ich das Gebäude betrat, dachte ich keineswegs an dunkle Machenschaften – alles wirkte so nett und freundlich.

Doch als ich die ersten Meter in der Verkaufsaustellung gelaufen war, fiel mir ein Kunde auf. Er stand vor einem dieser praktischen Bleistiftspender, schaute sich um, griff sich ein paar Bleistifte und lief weiter, als ob nichts geschehen wäre. Ich verfolgte diesen Besucher und wie ich ihn so verfolgte, konnte ich das dieses empörende Schauspiel noch oftmals beobachten. Bei der 14 Wiederholungstat stellte ich den Bösewicht zur Rede und er gestand: „Es ist wie eine Sucht. Einmal im Monat muß ich einfach durch dieses Möbelhaus gehen und Bleistifte sammeln. Für gewöhnlich nehme ich jedesmal vierzig bis fünfzig dieser kleinen Bleistiftchen mit. Im Laufe der Jahre habe ich eine kleine Sammlung von etwa 5000 Stiften zusammenbekommen. Es ist wahnsinnig interessant – diese vielen verschiedenen Sorten, die es da gibt. Ich habe sie in Vitrinen in meinem Wohnzimmer ausgestellt, schreiben würde ich nie damit.“ Ich habe diesen verwirrten Herrn an einen Psychologen vermittelt. Wie ich hörte, macht er schon Fortschritte.

Ich habe meine Beobachtungen im Möbelhaus natürlich fortgesetzt und was sah ich da: Eine grüne, zwei Meter lange Djungelorm kriecht von hinten an einen Isbjörn heran, legt sich um dessen Hals, würgt ihn und verspeist ihn. Der auf diesen tragischen Vorfall angesprochene Geschäftsführer meinte nur: „Irgend etwas muß das arme Tierchen doch fressen…“ Entsetzlich, entsetzlich.

Plötzlich hörte ich einen lauten Schrei aus der Schlafzimmerabteilung. Als ich dort ankam, fand ich einen Menschenauflauf vor. Auf die Frage, wogegen demonstriert wird, sah man mich komisch an und schaute wieder zum eigentlichen Grund für den Tumult. Eine Frau war in Ohnmacht gekippt, als sie einen Kleiderschrank öffnete und sie darin einen Mann stehen sah. Willi W. (Name geändert), Liebhaber von Beruf, meinte zu dem Vorfall: „Ich wollte die Frau nicht erschrecken, aber als Liebhaber werde ich von den Frauen, die ich lieb habe gefragt, welche Möbel sie sich bei der nächsten Einrichtung ins Schlafzimmer stellen sollen. Ein wichtiges Kriterium ist natürlich, daß ich mich hineinstellen kann. Und da habe ich nun die neue Serie getestet.“

Diese wenigen Vorfälle machen deutlich, welche Abgründe sich in der Möbelhauszene auftun. Es ist entsetzlich, empörend und peinlich obendrein. Ich kann jedem nur empfehlen, wieder einmal ein Möbelhaus zu besuchen oder wie der schwedische Gegenwartsphilosoph so schön sagt: „Entdecke die Möglichkeiten!“