Der WerRolf im Schafspelz

Es war einmal vor langer Zeit in einem kleinen Dorf an einem kleinen See mit kleinen Fischen drinnen, die gerne kleine Algen fraßen. Und in diesem kleinen Dorf gab es eine kleine Feierlichkeit, denn die Bevölkerung wurde ein klein wenig vergrößert: Der kleine Rolf wurde geboren.

Und alle sind sie gekommen und haben Geschenke gebracht: Gold, Weihrauch, Myrr.. äh, ich bitte vielmals um Entschuldigung, ich habe mich gerade im Märchen geirrt. Er bekam natürlich ganz alltägliche Dinge, wie Spielzeug, welches er noch nicht greifen konnte, Süßigkeiten, die er noch nicht essen durfte, Klamotten, die längst aus der Mode waren, als er hineinpaßte, und und und…

Nur die Oma hatte bei der Geschenkauswahl nachgedacht und schenkte dem kleinen Rolf einen Schafspelz, an dem er sich in seiner Wiege ankuscheln konnte, und der ihn wärmte.

Und es kam wie es kommen muß. Rolf wurde zu einem verstörten kleinen Jungen, der sich nur für seinen Schafspelz interessierte und für so komische Gefährte, womit man unter Wasser voran kommt. Sicherlich muß ich jetzt nicht erwähnen, daß das ganze Dorf den kleinen Rolf vergessen hatte, aber ich tue es trotzdem: Der kleine Rolf wurde von dem ganzen Dorf vergessen.

Nichtsdestotrotz wuchs der kleine Rolf heran und eines Tages kam ein Schreiben von der Dorfverwaltung. Rolf sollte eingeschult werden. Das war natürlich Grund genug, wieder ein großes Fest zu geben. „Hurra! Er wird eingeschult!“ hatten die Eltern liebevoll auf die Einladungen geschrieben und ein jeder fragte sich darauf hin „Wer, Rolf?“

Durch diese Frage kam Rolf dann auch zu seinem Spitznamen WerRolf, aber so nannte ihn keiner, weil er ja doch zu keinem Menschen Kontakt pflegte.

Nun war jedenfalls der Festtag gekommen und man war damit beschäftigt, den Tisch zu decken. Glücklicherweise hatte man aus anderen Märchen gelernt, daß man für alle dreizehn Feen decken sollte, weil es sonst gehörig Ärger gab.

Es waren auch alle dreizehn Feen gekommen und selbst die angeblich böse Fee war guter Laune. Eigentlich waren alle Gäste guter Laune. Man tanzte und lachte und der Wein floß in Strömen, für Rolf gab es natürlich nur Kakao.

Aber etwas sollte die gute Laune trüben. Die dreizehnte Fee hatte den Ärger mit der Dornröschenaffäre noch nicht richtig überwunden und im Rausche des Alkohols entschloß sie sich zur Rache. Als dann alles unter dem Tisch lag, schnappte sich die dreizehnte Fee, welche doch böse ist, den von Rolf so geliebten Schafspelz und verschwand.

Als dann am nächsten Morgen sich die Sonne erhob und der erste Hahn krähte, wachte Rolf auf und bemerkte den schrecklichen Verlust und ihm wurde klar, daß er danach suchen mußte.

Flink packte er seine sieben Sachen, holte sein Unterwassergefährt aus der Garage und tauchte unter. Nach einer halben Stunde tauchte er aber wieder auf, weil er feststellen mußte, daß er mit dem U-Boot in diesem kleinen See nicht weiterkam. Er stellte das U-Boot also wieder in der Garage ab und entschied sich, die Reise mit seinem Tretroller fortzusetzen.

Er tippte „Böse Fee“ in das Navigationssystem ein, dieses rechnete kurz und zeigte dann den Weg. Rolf rollerte los, er rollerte die Straße entlang, er rollerte aus dem Dorf hinaus, durch die Felder, über die Wiesen und rollerte in den Wald. Dort mußte er kurz aufhören mit Rollern, denn Wegelagerer hatte sich ihm in den Weg gestellt.

„Ganz alleine unterwegs, mein Bursche?“ fragte der böse, böse Mann. „Das ist aber sehr unklug von dir. Deine Eltern werden dich vermissen, denn du wirst auf meinem Grill landen. Doch sag mir, was för einen ungewöhlichen Untersatz hast du da?“ „Das ist ein Tretroller“, erwiderte mutig der kleine Rolf. „Ein Tretroller? Was ist denn ein Tretroller?“ Ehe Rolf antworten konnte, hatte der Roller den Wegelagerer heftig ans Schienbein getreten, so daß dieser einen ganz ungewöhnlichen Tanz begann, dann aber wimmernd im Straßengraben lag. Rolf aber war ja kein Unmensch und trennte sich von einer seiner sieben Sachen und überließ dem Bösewicht einen Kühlbeutel.

Rolf rollerte weiter, er war schließlich noch nicht am Ziel. Er rollerte durch den Wald, welcher immer dunkler und dichter wurde, aber das störte ihn nicht weiter, denn ihm stieg ein gar wohler Duft in die Nase. Der Wald machte plötzlich eine Pause und Rolf kam auf einer Lichtung an, wo zwei ungewöhnliche Menschen um ein Feuer rannten und kräftig pusteten. Plötzlich hielten sie inne. „Du, Hubert“, sprach da der eine. „Ja, Herbert“, antwortete der andere. „Du, Hubert…“ „Ja, Herbert?“ „Du, Hubert, da drüben ist jemand“ „Ja, Herbert, da drüben ist jemand“ „Du, Hubert, der kann uns gefährlich werden.“ „Ja, Herbert, der kann uns gefährlich werden“ „Du, Hubert, was machen wir denn da?“ „Ja, Herbert, was können wir da noch machen?“ „Du, Hubert, wir sollten ihn schnell noch grillen und verspeisen, bevor der Wald abfackelt.“ „Ja, Herbert, laß ihn uns grillen und verspeisen, eh dann der Wald abfackelt.“

Dem Rolf war dieses Gespräch natürlich zu langweilig geworden und setzte seine Reise fort, allerdings nicht ohne den beiden ungewöhnlichen Wesen einen Feuerlöscher zu überlassen, mit dem sie das Feuer löschen konnten, bevor der Wald abfackelt.

Rolf rollerte jetzt auch viel schneller, denn er hatte ja nur noch fünf Sachen dabei und mußte nicht mehr so viel transportieren. Er hochgeschwindigkeitsrollerte also durch den Wald und alles raste nur so an ihm vorbei. Plötzlich blitzte es, danach war eine Trillerpfeife zu hören und Rolf unterbrach jäh seine schnelle Fahrt. Ein Polizist näherte sich von hinten, blieb vor Rolf stehen und keuchte: „Sie wissen, weshalb ich sie angehalten habe?“ „Ähh, …“ „Sie haben die zulässige Höchstgeschwindigkeit überrollert und nicht am Wildwechselübergang angehalten. Was haben Sie dazu zu sagen?“ „Hmm, …“ „Jedenfalls kostet das eine Kleinigkeit …“ Rolf trennte sich von seiner dritten Sache, zahlte das Bußgeld und rollerte weiter, diesmal aber überschritt er nicht die zulässige Höchstgeschwindigkeit.

Inzwischen war es Mittag und die Sonne brannte von oben herab. Rolf brauchte eine Pause. Ein lauschiges Plätzchen fand sich schon bald, Rolf steig vom Roller, ließ sich auf der grünen Wiese mit den vielen bunten Blumen und den summenden Insekten nieder und stärkte sich an seiner vierten Sache. Danach legte er sich hin und hielt ein kleines Mittagsschläfchen.

Plötzlich schrak er hoch. Da hat doch eine fiese Wespe die Frechheit besessen, dem armen Rolf einfach so in die Nase zu stechen. Nur gut, daß da ein kleines Bächlein war, dessen Wasser die Nase kühlte und auch Rolfs Durst löschte.

Es war an der Zeit, weiterzugehen. Rolf rollerte gemütlich einen Feldweg entlang. Aus dem Feldweg wurde plötzlich eine Straße und nach und nach tauchten am Straßenrand Häuser auf, schlußendlich war er auf dem Marktplatz in einem kleinen Städtchen.

Rolf schaute sich um und sah an einem Stand *seinen* Schafspelz. Er steuerte auf den Stand zu und fragte den Händler, was er denn für den Schafspelz haben wolle. „Hmm, mein Junge, so ein Schafspelz ist ein gut Ding und aller guten Dinge sind drei, …“ Rolf hatte verstanden und reichte dem Händler seine letzten drei Sachen und bekam dafür seinen innig geliebten Schafspelz zurück.

Rolf kehrte heim in sein kleines Dorf und seine Heimkehr sollte natürlich ordentlich gefeiert werden. Auf die Einladungen schrieb man „Hurra! Er ist wieder da!“ und ein jeder fragte sich „Wer, Rolf?“