Der fiese Computerraub

Es war einmal vor langer, langer Zeit, und ich finde es ausgesprochen doof, daß ein Märchen immer so beginnen muß, denn es stimmt leider nicht in jedem Fall. In diesem auch nicht, denn was ich euch nun erzählen werde, ist noch gar nicht solange her.

Max sehnte sich nach ihr, aber sie hatte mal wieder keine Zeit für ihn. „Laß mich ein“ rief das Wasser vor nicht allzulanger Zeit der Badewanne zu, aber da diese der Forderung allein nicht nachkommen konnte, eilte Wilhelmine zur Hilfe und setzte sich schließlich auch noch zu dem Wasser in die Wanne. Dort badete sie nun ihren jungen Körper mit allen anzeigenüblichen Schönheiten.

Max hatte sie vergessen und das deprimierte ihn sehr. Schließlich war er nicht irgendwer. Er war immerhin ihr Lieblingscomputer und er genoß es immer wieder, wenn sie mit ihren zarten Fingern auf seinem Tastertur herumtasterte.

Aber nun saß sie in der Wanne und er überlegte einsam und verlassen, ob denn andere Computer auch so deprimiert sind und begann leise zu schluchzen.

Lassen wir den Computer an diese Stelle einmal allein und wenden uns wieder Wilhelmine zu. Wilhelmine hatte inzwischen ihr Bad beendet und versuchte nun ihr Haar zu bändigen. Erfolgreich, wie ich an dieser Stelle einmal anmerken möchte.

Frisch gebadet und gut gelaunt verließ sie das Badezimmer. Sie wollte noch etwas elektronische Post verschicken und ging deshalb fröhlich pfeifend in Richtung Computer. Das Pfeifen verstummte jedoch plötzlich und auch die gute Laune war verschwunden, aber nicht nur die, nein, auch Max war nirgends zu entdecken. Er war wie vom Erdboden verschwunden.

Nun war Wilhelmine deprimiert. Sie warf sich auf ihr Sofa und begann in die Kissen zu heulen, so daß die Zimmerpflanzen ob der Wasserzufuhr neidisch wurden.

Das Märchen hätte sich hier schon ein vorzeitiges Ende gefunden, wenn da nicht diese Stimme erklungen wäre: „Wilhelmine!“ sprach der Modem, während er aufgeregt mit seinen Lämpchen herumblinkerte. „Wilhelmine! Fiese Hacker haben deinen Max entführt. Sie haben ihn in ein trojanisches Pferd gesteckt und schieben ihn nun in eine der finstersten Ecken des Internets. Schnell, folge ihnen und rette deinen Max! Er ist sonst für immer verloren und wird als SPAM-Relay mißbraucht.“

Wilhelmine war geschockt von soviel Bösartigkeit, jedoch faßte sie sich schnell und ein Herz und begann die Suche nach Max, gerüstet mit einigen Bits, einer Feder und einer Firewall, weil sie ahnte, daß sie so etwas gebrauchen kann.

Sie begann also ihre Reise und zwängte sich in die Telefonleitung. Ihr habt ja überhaupt keine Ahnung, wie eng es in einer solchen Telefonleitung ist und was es dort für merkwürdige Geräusche gibt, aber Wilhelmine war tapfer und kroch weiter. Plötzlich hörte Sie eine Stimme und sie vernahm auch einige Worte: „Durch diese hohle Gasse muß er kommen.“ Wilhemine jedoch konnte sich keinen Reim darauf machen und kroch weiter durch die Telefonleitung. Da sah sie plötzlich Licht am Ende und schon befand sie sich in einem Raum, der ähnlichkeiten mit einer Postverteilungsanlage hatte.

„Schönes Fräulein, darf ichs wagen, Arm und Geleit ihnen anzutragen?“ ertönte da eine Stimme. „Wer spricht da?“ fragte die verschüchterte Wilhelmine. „Ich bin es, Cisco. Wohin möchtest Du?“ Sie erzählte ihm von ihrem Schicksal. „Hmm“, meinte da Cisco, „so ein seltsames Gespann kam vorhin hier vorbei und gingen da entlang.“ Er wies ihr einen Weg, welchen sie sofort betrat, nachdem sie sich herzlichst bei Cisco bedankt hatte.

Im Internet ist es viel angenehmer als in einer Telefonleitung – alles ist viel größer. Wilhelmine also schritt und schritt durchs Internet, bis sie plötzlich auf einen alten, bunt angemalten Mann mit langen Haaren traf. „Wer bist du?“ fragte sie mutig. „Ich bin ein Apache“, sprach der alte Mann. „Nun, weiser Medizinmann, fiese Hacker haben meinen Max gekidnappt und in einem trojanischen Pferd verschleppt. Kannst Du mir sagen, wo ich sie finde?“ „Kleines Bleichgesichtmädchen, ich würde Dir gerne helfen, doch verlor ich meine Feder und komme nun nicht mehr an meine Informationen heran.“ Es ist klar, daß Wilhelmine prompt dem alten Apachen ihre Feder schenkte, damit sie an wertvolle Informationen gelangte. „Leider weiß ich nicht, wo sich diese finstere Ecke des Netzes befindet, aber Du solltest die Götter des frischen Fleisches befragen, sie wissen bestimmt Rat.“

Wilhelmine bedankte sich artig und setzte ihren Weg fort. Schon aus der Ferne konnte Wilhelmine den großen Berg frischen Fleisches erkennen, und steuerte ihn direkt auf ihn zu.

„Was willst du?“ wurde sie da angeknurrt. „Warum knurrt ihr so?“ fragte ängstlich Wilhelmine. „Seid ihr die Götter des frischen Fleisches?“ „Ja, sind wir“, knurrte es zurück, „und uns hängt das viele rohe Fleisch zum Halse raus. Deshalb sind wir so schlecht gelaunt.“ „Möglicherweise könnte ich euch helfen.“ „Wie denn?“ „Nun, ich hätte da eine prima Firewall, auf der ihr das Fleisch braten könntet.“

Damit hatte sie bei den Göttern des frischen Fleisches einen Stein im Brett, welcher so gleich in die gewünschte Information portiert wurde. Endlich wußte Wilhelmine, wo sie ihren Max finden würde.

Schnell setzte sie ihren Weg fort und traf schon bald auf die berüchtigte Hackerhöhle und schon von weitem konnte man hören, wie die fiesen Hacker in ihrem Rausch mp3z gröhlten. Wilhelmine drehte schnell ihr Basecap um und betrat die Höhle: „Hey, Hackerz, ich habe euch <00l3 WaReZ mitgebracht.“ Sie packte die Bits aus, welche sich die fiesen Hacker auch gleich hinterschütteten und schon bald schliefen sie ein.

Wilhelmine näherte sich dem trojanischen Pferd, öffnete es, nahm ihren Max unter den Arm und rannte schnell nach Hause. Dort angekommen schnitt sie die Telefonleitung durch und versprach ihrem Max, daß sie ihn nie wieder alleine lassen würde. Liebevoll begann sie seine Tasten zu drücken und er dankte es mit einem lieblichen Surren des Netzteils. Und wenn der Strom nicht ausgefallen ist, haben sie sich auch heute noch unheimlich lieb.