Nach Süden, nach Süden

Es ist 1.10 Uhr, ich stehe am Augustusplatz, jeden Augenblick müßte mein Nachtbus kommen. Ich krame nach meinem Studentenausweis und bemerke, daß er wohl in dem Hemd stecken muß, was über meinem Sessel hängt. Dann wird halt gelaufen, es ist ja auch schönes Wetter.

Es ist wirklich schönes Wetter, die Temperatur ist sehr angenehm, es weht ein leichter Wind, gelegentlich, der Himmel ist klar. Wenn man sich die Stadtbeleuchtung wegdenkt, sieht man sogar die Sterne.

Ich setze mich also in Bewegung, vorbei am Mendebrunnen, und entscheide mich ob des schönen Wetters, die Karl-Liebknecht-Straße entlangzulaufen. Es geht also vorbei an Gewandhaus, Uniriese und Klangkörper, entlang der mb bis hin zur Universitätsstraße. Ich finde, diese Strecke ist lichtgestalterisch sehr gelungen.

Nun geht es durch den Park hindurch. Der ist etwas spärlicher, aber wohl akzentuiert beleuchtet. Es lohnt sich, hier hin und wieder stehenzubleiben, sich zur Innenstadt zu drehen und die Augen auf Weitwinkel oder gar Panorama zu schalten.

Und schon steht man an der Ampel und ich überquere die Straße zur Haltestelle Wilhelm-Leuschner-Platz. Damit hat man den geschminkten Teil der Innenstadt verlassen und stellt fest, daß die Zeit doch nicht stehen geblieben ist. Es ist leer hier, der Nightliner ist vor ein paar Minuten durch, in dem auch ich säße, hätte ich doch meinen Ausweis dabei gehabt. Aber was man nicht im Kopf hat, muß man eben in den Beinen haben.

Ich schreite die Treppe aus der Unterführung hinauf und über den Parkplatz hin zur Stadtbibliothek. Irgendwie habe ich immer den Eindruck, als hätte man im nachhinnein ein altes Haus hineingesetzt. Ich überlege, ob man den Rest an die Stadtbibliothek oder die Stadtbibliothek an den Rest anpassen sollte, und beschließe, daß es ruhig so bleiben kann.

Ich gehe mittlerweile den Petersteinweg entlang und entdecke dort, wo die Münzgasse abgeht, oben am Gebäude eine beleuchtete Uhr. Die ist mir bisher noch gar nicht aufgefallen, aber sie sieht gut aus.

Noch immer verwundert laufe ich mittlerweile am Haus der LVZ vorbei, welches linkerhand liegt. In den Büros ist Licht, Menschen sind aber keine zu sehen. Vermutlich ist gerade Zigarettenpause.

Vom FloPo her erschallt Musik, als ich die Riemannstraße überquere. Bei der LVB ist auch noch Licht, ob dort Leute sind, kann ich nicht erkennen.

Zwischen der Pension Großmann und dem Volkshaus, Höhe Grunerstraße, steht ein sanierungsbedürftiges zweistöckiges Haus, unbeleuchtet versteckt es sich im Dunkel. Dieses Haus ist in irgendeiner Weise schön, es ist schwer zu beschreiben. Der Zahn der Zeit hat Stil bewiesen, dieser leicht fortschreitende Zerfall gibt dem Objekt eine gewisse Ästhetik.

Ich sehe geradeaus, ein buntes Haus, auf der anderen Straßenseite die Feinkost. Die Löffelfamilie schläft schon, die Leuchtreklame ist aus und schreite hin zum Südplatz, vorbei an der naTo. Vor etwa einem Jahr haben hier Justin Sullivan & Friends gastiert. Es war ein sehr schönes Konzert. Anschließend waren wir in einer Kneipe in Connewitz und betrunken.

Weiter geht es Richtung Süden, hin zur Kurt-Eisner-Straße. Linkerhand ist das House of Foods, das ist noch nicht solange hier, gegenüber der Grillexpress dafür schon ewig.

Vorbei geht es Heinrich-Schütz- und Alexis-Schumann-Platz. Der Platz rechterhand sieht ganz nett aus, der linkerhand, naja. „Ingolf’s Bierbar“ hat geöffnet, Ingolf und seine Gäste wird es freuen.

Auch im Hotel Seeblick ist noch Betrieb. Ich habe bisher weder Hotel noch See oder gar Seeblick ausmachen können, aber ich hege den Verdacht, das gehört zum Konzept.

Es ist dreiviertel Zwei, rechterhand die Buchhandlung, vor der einmal „Kü’s“ stand, linkerhand die Bank, vor ihr steht „Landeszentral“ und geradeaus, in naher Ferne, verliert sich das Connewitzer Kreuz.

Die restlichen Schritte gehe ich allein.

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