Nachtbus oder zu Fuß?

Heute ist kein schönes Wetter. Nein, das stimmt so nicht. Eigentlich ist heute schönes Wetter.

Der Regen hat aufgehört, aber das vom Laub herabfallende Naß simuliert ihn akustisch sehr gut. Die Nacht spiegelt sich in den Pfützen und deren Lichter leuchten auf den Gehwegplatten bunt.
Die nassen Blätter glänzen matt in der Straßenbeleuchtung und die Schönheit der Blüten hat sich geändert. Durchnäßt vom Regen hängen die Blütenblätter traurig nach unten. Es scheint ein wenig, daß sie sich schämen, so gesehen zu werden.
Bei diesem Wetter möchte man spazieren gehen.

Aber der grüne Teil des Wegs dauert nicht ewig, die Stadt hat mich wieder. Autos lärmen durch Pfützen, Menschen hüpfen erschrocken zurück, ich hüpfe über die Pfützen, um die Straßenseite zu wechseln. Gut, daß gleich der Nachtbus kommt.

Ich bin nicht der einizge Wartende, die Haltestelle murmelt leise. Die Schönheit des Augenblicks läd zum Laufen ein, aber ich freue mich doch, als ich die Nightliner kommen sehe.

Nachdem ich aussteige, sehe ich den Mülleimer, der für gewöhnlich am Haltestellenschild hängt, auf der Straße liegen. Aus ihm sind leere Flaschen herausgerollt. Vermutlich ist er betrunken.

Die Frage, ob Nachtbus oder zu Fuß, ist deswegen aber noch immer nicht endgültig geklärt.

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