City in der City

Ich befinde mich auf dem 5. Jahrmarkt der Baugenossenschaft Leipzig und möchte die Band City sehen. Zuvor jedoch springen noch einige Frauen und Mädels vom CCC und CCM auf der Bühne herum. Danach erhalten die Tombola-Gewinner ihre Preise.

Es ist etwa 18:20 und endlich ist das erwartete Intro zu hören. Die Musiker von City betreten die Bühne. Das Intro ist vorbei, die Band legt mit „Weil die Erde eine Kugel ist“ los, die Jungs sind definitv spielfreudig, die Stimmung ist gut. Während des Stückes kommt die gewohnte, wenn auch gekürzte Begrüßung.

Mit „Nachts um halb eins“ geht es weiter, es folgt ein Knall, Konfetti verteilt sich im Publikum, auf der Bühne geht es mit „Pfefferminzhimmel“ weiter. Neben mir genießt ein Rentnerpärchen Fischbrötchen und kleine Biere. Meines Erachtens befinden sich die Garnituren zu nah an der Bühne, es kommt eher eine Bierzelt- als eine Konzertatmosphäre auf.

Toni Krahl verteilt Bonbons, es fallen ein paar Regentropfen. Möglicherweise wird es sich bald leeren. Ein Baugenossenschaftler verteilt Aufkleber, die Leute decken damit ihre Becher ab.

Klaus Selmke hat – wie immer – Geburtstag, die Menge singt ihm ein Lied. Danach gibt es „Noch’n Bier“. Ich finde es durchaus interessant, daß dieses Stück in seinen 18 Jahren wirklich nichts von seiner Gesellschaftskritik, Aktualität eingebüßt hat.

Es folgt ein Stück des aktuellen und durchaus genialen Albums „Silberstreif am Horizont“: „Tamara“ Dieses Stück scheint aufgrund seiner Jugend nicht sehr bekannt zu sein. Beobachtet man zu diesem Stück das Publikum, so sieht man viele Köpfe im Rhythmus nicken, wohl wissend, daß sie eigentlich auf die ollen Kamellen wartend. Die Kids können mit der Musik der älteren Herren überhaupt nichts anfangen.

Es folgt „In Zeiten wie diesen“, ein Stück vom aktuellen Album. Toni Krahl – und ganz klar auch City – bietet dieses Stück mit einer beeindrucken Mimik und Gestik dar. Dieses Stück hat allerdings auch extremen Tiefgang.

„Ganz leicht“ folgt. Fliegen scheint ein faszinierendes Thema zu sein, wenn man sich die Diskographie der Band beschaut.

Endlich gibt es den „Glastraum“. Der Moderator hat ihn angekündigt. Es ist merkwürdig, daß ihm außer „Am Fenster“ eben dieses Stück einfiel. Diesmal fehlte die Folie, aber ohne passendes Scheinwerferlicht verfehlt sie wohl ihre Wirkung.

Jetzt wird gemeinsam gesungen: „Wenn ich mal was sagen will“. Erst scheint es so, als klatscht das Publikum nur statt zu singen, aber als Toni nicht mehr singt, hört man klar, daß das Publikum singt und Spaß hat, wenn auch etwas leise. Wie immer kommt bei diesem Stück der „musikalische Höhepunkt des Konzerts“, der „absolute Ruhe und ungeteilte Aufmerksamkeit“ erfordert. Die Menge tobt.

Es kommt „Am Fenster 2“. Der Junge neben mir blickt gelangweilt in die Großstadtlandschaft und klatscht dazu im Takt. Die Menge wird zum Singen aufgefordert, scheitert aber wohl an einem Textproblem.

Es folgt ein Medley bestehend aus „Wand and Wand“, etwas Konfetti, „Unter der Haut“ und „Mir wird kalt dabei“.

Danach erfolgen die obligatorischen Aufnahmen für das Netz sowie zwei Klassiker: „z.B. Susann“ und „Am Fenster“. Während mir letzteres Stück wie eine lästige Pflichtübung erscheint – Joro spielt routiniert sein Solo, Manfred und Klaus tauschen gelangweilte Blicke aus, Toni und Fritz haben sich von der Bühne verzogen, so scheint ersteres doch die eigentliche Kür zu sein: Spielfreude noch und nöcher.

Bei „Am Fenster“ verabschiedet sich die Band, doch bald kommt mit „Sieben Tage lang“ die ersehnte Zugabe. Nach einem „Jetzt sind wa Freunde, wa?“ von Toni Krahl gibt es noch „Casablanca“.

Das Konzert ist vorbei, ich versuche noch ein paar Autogramme für mein Notizbuch zu bekommen.

Leider war an diesem Abend eher Volksfest- als Konzertstimmung, bedingt durch die Sitzgelegeheiten. Die Leute, die vor Bühne standen, haben trotzdem erstaunlich Stimmung verbreitet, mindestens ebenso, wie die Band selbst. Da sprangen sogar textsichere Teenies rum.

Daß ein unbedeutendes Leipziger Stadtmagazin dieses Konzert mit „Deutlichst angejahrte Berliner Band für beinharte Ostalgiker, deren aktuelles Album “Silberstreif am Horizont” auch bei bestem Willen nur als musikalische und textliche Zumutung bezeichnet werden kann.“ ankündigt, muß wohl am puren Neid liegen. City haben gerockt und wer nicht dabei war, hat definitiv etwas verpaßt.

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