New Model Army @ Alter Schlachthof, Dresden

Es ist vielleicht 19 Uhr, ich verlasse meine Heimat gen Dresden, zum Alten Schlachthof, zu New Model Army. Die Autobahn ist frei, die Fahrt entspannt, der CD-Player spielt das aktuelle Album der Band. Ich erreiche nach einer Weile Fahrt auch die Abfahrt Dresden-Neustadt. Der Routenplaner hat gesagt, ich soll hier abfahren. Verschwiegen hat er mir, daß mich jetzt eine einstündige Odyssee erwartet.

Ich irre also durch die Landeshauptstadt. Leute, die man fragen könnte, gibt es kaum, die Straßen sind leer. Und wenn ich jemand treffe, sind es entweder Touristen oder Einheimische, die aber auch nur wissen, daß ich hier völlig falsch bin. Nach einer Stunde Irrfahrt bin ich schier verzweifelt und möchte ins Lenkrad beißen. An einer Kreuzung frage ich eine junge Familie, wie ich denn zur Leipziger Straße komme. Sie schauen mich verwirrt an und meinen schließlich, daß das hier die Leipziger Straße sei.

Ich bin erleichtert. Wenige Minuten später finde ich den Alten Schlachthof, noch ein paar Minuten einen Parkplatz und noch ein paar Minuten später habe ich auch den Weg von meinem Parkplatz zum Alten Schlachthof zurückgelegt.

Eine Eintrittskarte für € 25 – sogar eine richtige -, eine Garderobenmarke für € 1 und ein Bier für € 2,50. Im Moment spielen Honigdieb. Gut, daß ich ein Bier habe.

Endlich ist es soweit, New Model Army beginnen ihr Konzert. Am Anfang eine Mischung zwischen ruhigen und schnellen, alten und neuen Sachen. Etwas später bin ich in Trance. Ich tanze. Ich schwitze. Die Klamotten sind klatschnaß, das salzige Wasser brennt in meinen Augen. Doch die Party geht immer weiter. Sie spielen die ganzen Klassiker: „No Rest“, „Better Than Them“, „Poison Street“, „Stupid Questions“, „Here Comes The War“, etc. Ich tanze. Ich schwitze.

Plötzlich wird der Trancezustand unterbochen, Mr. Sullivan kündigt mit „Get Me Out“ das letzte Stück an. Danach verschwindet die Band von der Bühne, aber das Publikum kann sie doch zu einer Zugabe überreden. Sie beginnt mit „Purity“. Danach folgt „51st State“. Das Stück muß einfach kommen. Käme es nicht, wäre es so, als würde der Papst den Boden nicht küssen, nachdem er aus dem Flieger steigt. Zum Abschluß gibt es in Gedenken an Robert Heaten noch „Green And Grey“.

Die Band geht von der Bühne, das Licht geht an, die Konservenmusik auch und die Roadies beginnen mit dem Abbau. Die Zeichen sind klar, die Show ist vorbei. Ein Teil des Publikums verschwindet gen Ausgang, der Rest klatscht und johlt und pfeift. Nach einigen Minuten geht das Saallicht wieder aus und New Model Army geben mit – verdammt, ich bin zu endorphintrunken, um mir den Song zu merken – eine weitere Zugabe. Ich glaube, die Klamotten werden nie wieder trocken.

Nach dieser Zugabe scheint das Publikum zufrieden. Ein wirklich großartiges Konzert ist beendet. Die Eintrittskarte hängt jetzt an der Wand. Sie ist etwas zerknittert, aber wer keine Falten hat, hat auch nichts erlebt.

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