Mit einem Rucksack voller Musik?

Wenn ich abends das Haus verlasse, um in einem Club aufzulegen, twittere ich ganz gern etwas in Richtung „bricht mit einem Rucksack voller Musik in den … auf“. In erster Linie mache ich das, weil man damit manchen Leuten einen wirklich fiesen Ohrwurm in den Gehörgang setzen kann. Ich muß allerdings auch zugeben, daß ich tatsächlich einen Rucksack dabei habe, der jede Menge CDs enthält.

Als ich den letzten Tweet dieser Art in die Welt schickte, bekam ich folgende Reaktion:

Karl, die musi passt mittlerweile auch auf kleine Datenträger. Rucksäcke sind nicht mehr nötig. Es sei denn du bist mixtapehändler. aber dann tuts auch n Mantel. 😉
Maik Bernstein

Damit hat der Maik natürlich recht. Auch ich lege ja seit geraumer Zeit vorzugsweise mit Laptop auf – so man das dann noch als Auflegen bezeichen kann. Und dennoch ist da dieser Rucksack voller Musik. Doch bevor ich darauf näher eingehe, möchte ich etwas über meine Ausrüstung schreiben.

Drei Taschen und ein Rucksack

Tasche 1: Laptop & Co

Die Laptop-Tasche enthält natürlich als wesentliches Element meinen Laptop. Darauf ist Ubuntu installiert. Zum Auflegen nutze ich Mixxx – das läuft unter Linux (und anderen Betriebssystemen), unterstützt viele gängige Konsolen, ist Open Source und kostet nichts.

Ebenfalls befindet sich in der Laptop-Tasche eine externe Festplatte. Darauf ist die Musik. Früher hatte ich die ganze Musik im MP3-Format abgelegt, mittlerweile bin ich auf die verlustfreie FLAC-Variante umgestiegen. FLAC-Dateien benötigen zwar deutlich mehr Platz als MP3-Dateien, aber da Festplatten inzwischen unendlich groß sind, stellt das kein Problem dar. Sollte diese Festplatte einmal voll sein, werden Festplatten mit deutlich höherer Speicherkapazität existieren.

Schlußendlich befindet sich in dieser Tasche noch etwas Peripherie, wie z.B. Maus und Netzteil.

Tasche 2: Konsole

In der zweiten Tasche befindet sich meine Konsole. Man kann im Prinzip auch alles mit der Maus steuern, aber der Haptik wegen ist eine Konsole ganz angenehm. Ich habe mich damals für eine Hercules DJ Console RMX entschieden. Sie entsprach meinen preislichen Vorstellungen und der Hersteller hat einen Linuxtreiber bereitgestellt.

Weiterhin befinden sich in dieser Tasche ein paar USB- und Chinch-Kabel.

Nebenbei bemerkt: Die Tasche gab es zur Konsole dazu.

Tasche 3: Notfalltasche

Die Notfalltasche ist eine CD-Tasche. Da passen bis zu 300 CDs rein. Die habe ich für eher unwahrscheinlichen Fall, daß ein Auflegen mit Rechner nicht möglich ist.

Rucksack: Der Behälter für den Rest

Im Rucksack habe ich meine Kopfhörer, den Fuß meines Drei-Ständers, einen Pullover oder eine Jacke, ein, zwei Flaschen Club Mate, und, und, und…

Und CDs. Das sind die CDs, die es noch nicht auf die Festplatte geschafft haben. Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß es kein technischen Problem ist. Es ist ein Disziplinproblem. Und wie es bei Disziplinproblemen so ist, wurden es über die Zeit natürlich immer mehr CDs, die im Rucksack statt auf der Festplatte gelandet sind.

Die 10-Sampler – These

Vor etwa fünf Jahren, also noch lange bevor ich mit Laptop auflegte, stellte ich mit einem DJ-Kollegen die 10-Sampler – These auf. Die These besagte, daß es völlig hinreichend ist, zum Auflegen mit zehn Samplern zu erscheinen. Zu dem Zeitpunkt war das eher eine Spitze gegen die Gäste, die sich stets das Gleiche wünschten.

Unabhängig davon ist diese These nicht unbedingt von der Hand zu weisen. Eine CD hat etwa 60 bis 70 Minuten Spielzeit. Mit zehn CDs kann man also locker zehn Stunden überbrücken. Da hat man zwar nicht übermäßig viel Auswahl, aber über den Abend kommt man in jedem Fall.

Sind CDs noch zeitgemäß?

In Anbetracht der Tatsache, daß sich der Großteil der Musik auf der Festplatte befindet und der 10-Sampler – These muß man sich natürlich fragen, ob CDs bzw. das Auflegen mit CDs noch zeitgemäß ist. Mir fallen zumindest ein paar Situationen ein, in denen ich nicht auf CDs verzichten möchte.

Der Rechner fällt aus

Das passiert eher selten, aber man kann es nicht ausschließen. Der einzige Ausfall, den ich in dieser Richtung hatte, war stromausfallbedingt. Da benötigte ich eine CD für die Zeit, in der die Festplatte neu gemountet wurde, nachdem wieder Strom zur Verfügung stand. Das war zwar nur ein Song, aber so gab es keinen Ausfall.

Kollegen haben es aber auch leider schon erleben müssen, daß ein Gast versehentlich sein Getränk über dem Laptop vergossen hat. Manche Laptops wollen dann einfach nicht mehr arbeiten. Ohne CDs ist man dann ziemlich aufgeschmissen.

Zeitpolster

Auch ein DJ muß irgendwann mal auf Toilette. Im Idealfall sucht man sich dafür ein längeres Stück aus. Das klappt aber nicht immer. Da ist es dann vorteilhaft, den CD-Player als dritten Zuspieler zu nutzen: Während ein Song in Player I läuft, sucht man die nächsten zwei Stücke aus und verteilt diese auf Player II und Player III. Nachdem man Player II gestartet hat, kann man beruhigt auf Toilette gehen, denn wenn man zurück ist, braucht man nur noch Player III zu starten.

Man könnte natürlich den automatischen Modus nutzen, aber das kann dann auch schon mal häßliche Übergänge geben.

Neue Musik

Es kommt immer wieder vor, daß man es nicht schafft, zwischen CD-Kauf und Auflegen die Musik auf die Festplatte zu bringen. Wenn man trotzdem etwas davon spielen will, kommt man um die CD natürlich nicht herum.

Quo vadis?

Mein Ziel ist momentan ein CD-freier Rucksack. Das gelingt natürlich nicht von heute auf morgen, aber schon heute abend dürfte mein Rucksack leichter sein. Bei der Gelegenheit werde ich auch die Plattensammlung auf meiner Webseite aktualisieren.

Ich werde mich in nächster Zeit auch nicht auf zehn Sampler für den Notfall reduzieren, 300 CDs (oder mehr) möchte ich aber auch nicht mehr mit mir herumtragen. Ich denke, die Größenordnung vom zwanzig bis fünfzig CDs ist mittelfristig eine gute Lösung. Langfristig werden es wohl weniger werden.

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