Wie man mit einem Elch umzieht

Mein letzter Umzug ist nun zwar fast sechs Jahre her, aber da die Geschichte stets Lehren für uns bereit hält, möchte ich dieses Anekdötchen der Welt nicht vorenthalten.

Der Großteil des Umzugs war bereits gelaufen, der Großteil meiner wenigen Möbel waren bereits in der neuen Wohnung. Ich wohnte auch bereits in der neuen Wohnung. Die alte Wohnung war aber noch keineswegs leer. Es gab noch eine Menge Kleinkram zu transportieren.

So kam es dann eines Abends, daß ich auf dem Heimweg von einem Freund beschloß, etwas aus der alten Wohnung mit in die neue zu nehmen. Das bot sich an, weil die alte Wohnung auf dem Weg lag und die Strecke zwischen alter und neuer Wohnung recht kurz war.

Ich schaute mich in der alten Wohnung um, was ich denn mitnehmen könnte. Einen Rucksack hatte ich nicht dabei, richtiger Kleinkram hätte sich also nicht gelohnt. Mein Blick fiel recht bald auf den Plüschelch Taggig. Das schien ein lohnenswertes Objekt zu sein.

Aber wohin mit dem Elch in der neuen Wohnung? Möbel hatte ich schließlich nicht so viele. Auf den Boden wollte ich ihn nicht setzen, damit er nicht dreckig wird. Fürs Bett war er mir aber auch zu staubig.

Der Elch saß für gewöhnlich auf seinem Stuhl. Dieser Stuhl sollte auch in die neue Wohnung. Hätte ich allerdings den Stuhl mitgenommen, hätte der Elch auf dem Boden, und damit im Dreck, sitzen müssen. Er sollte aber nicht in der alten Wohnung im Dreck sitzen. Das wäre noch weniger sinnvoll gewesen, als den Elch in der neuen Wohnung dreckig werden zu lassen.

Nun ist es naheliegend, sowohl Elch als auch Stuhl gemeinsam zu transportieren. Allerdings war ich mit dem Fahrrad unterwegs und auch dieses mußte unbedingt mit. Und das führte zu einem Dilemma: drei Gegenstände, aber nur zwei Arme.

Bliebe der Elch auf dem Stuhl sitzen, bräuchte ich nur zwei Arme. Aber auch da gibt es einen Haken: Ein Plüschelch ist nicht in der Lage, sich selbständig auf einem Stuhl festzuhalten. Es würde also nicht ausbleiben, daß der Elch während das Transportes vom Stuhl fällt. Dabei wäre er dreckig geworden. Genau das wollte ich aber nicht.

Ich suchte nach einer Lösung und fand sie auch prompt: ein auf dem Boden liegendes Telefonkabel. Mit diesem fesselte ich den Elch an den Stuhl und konnte losgehen – in der einen Hand den Stuhl samt Elch, mit der anderen Hand schob ich mein Rad.

Etwa auf der Hälfte des Weges schwankte mir ein betrunkener Herr entgegen – die Amplitude deutlich größer als die Wellenlänge. Es blieb nicht aus, daß er mich samt auf den Stuhl gefesselten Elch und Fahrrad erblickte. Er schaute mehrmals, rieb sich auch die Augen. Da ich samt Gepäck aber real war, löste sich diese Erscheinung nicht auf. Der betrunkene Herr schüttelte den Kopf und suchte zügig das Weite.

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